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Wo Kinder und Jugendliche einfach sich selbst sein dürfen: Das Zentrum für soziale Rehabilitation und Integration in Vidin

  • bulgarienhilfe
  • vor 6 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Emilia Josifova gibt sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen in Vidin einen Ort zum Durchatmen, Spielen und Träumen – inmitten der Natur.


Vidin gilt oft als der entlegenste Winkel Bulgariens – weit weg von allem, am äussersten Rand des Landes. Für die Kinder und Jugendlichen, die hier ins Zentrum für soziale Rehabilitation und Integration kommen, ist es genau das Gegenteil: der Mittelpunkt ihrer Welt. Lernen Sie ihre Geschichten im nachfolgenden Video kennen (Bulgarisch mit deutschen Untertiteln):



"Ich möchte einfach ein normaler Mensch sein für alle anderen", sagt einer der jungen Männer, die das Zentrum regelmässig besuchen. Seine sogenannten besonderen Bedürfnisse, sagt er, seien eigentlich die einfachsten überhaupt: die Fähigkeiten zu haben, die andere Menschen auch haben. Wenn er im Zentrum ist, fühlt er sich ruhiger, ausgeglichener – die Natur, sagt er, wirkt wie Medizin.


Eine Gründerin, die weiss, wovon sie spricht

Hinter dem Zentrum steht Emilia Josifova. Mit 19 Jahren verunglückte sie schwer und sass danach 13 Jahre lang zuhause – im Rollstuhl, mit Träumen, die warten mussten. Sie holte zwei Hochschulabschlüsse nach und begann dann, für andere das zu tun, was sie sich selbst gewünscht hätte: Sie weiss aus erster Hand, was ein Mensch mit Behinderung braucht – und was seine Eltern durchmachen, weil sie es an der Seite ihrer eigenen Familie miterlebt hat.


Ihre Stiftung "Podkrepa za Realizatsia" (Unterstützung für Verwirklichung) in Vidin ist daraus entstanden. Und mit ihr das Zentrum, das Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen einen sicheren, schützenden Raum gibt – einen Ort, an dem Familien lernen können, sich nicht zu verstecken und nicht zu schämen, sondern selbstbewusst unter Menschen zu gehen.


Oase Major Uzunovo: Wenn die Natur zur Therapeutin wird

Rund 13 Kilometer von Vidin entfernt liegt das Dorf Major Uzunovo. Hier hat das Team einen weiteren, ganz besonderen Ort geschaffen: den Aussentherapiestandort "Oasis". Der Name ist keine Übertreibung – für die Kinder ist er genau das: eine Oase.


Statt nur in geschlossenen Therapieräumen zu arbeiten, verlegt das Team hier einen Teil der Arbeit nach draussen. Im Hof wird gegärtnert, es gibt Kunst-Workshops, Ergotherapie und Kinesitherapie unter freiem Himmel, dazu Sport – Basketball, Bogenschiessen, Fussball. Die Kinder füttern und streicheln Tiere, helfen im Garten, verbringen Zeit mit Freunden. "Wenn man in der Natur ist, ist man frei von allem", sagt einer der Jugendlichen. Kein Handy, keine Reize, nur die Umgebung – ein Gefühl von Ruhe, das viele sonst kaum kennen.


Rückschläge gehören dazu

So idyllisch das klingt: Der Weg dorthin ist nicht einfach. Der Hof war lange voller Tiere – Kaninchen, Igel, Fasane, Hühner –, um die sich Emilias Mutter kümmerte. Als sie erkrankte, musste die Familie die Tiere abgeben, weil niemand mehr da war, der sich um sie kümmern konnte. Für die Kinder war das ein schmerzhafter Verlust, denn der Kontakt mit den Tieren war für viele von ihnen enorm beruhigend und wichtig.


Auch sonst kämpft das Team mit begrenzten Ressourcen: Das zweite Stockwerk des Gebäudes braucht dringend eine Renovation, das Team ist trotz seiner Grösse längst nicht ausreichend, um den täglichen Bedarf allein und parallel zur regulären Arbeit im Zentrum Vidin zu decken. Freiwillige helfen mit – aber auf sie kann man sich nicht immer verlassen.


Ein Abenteuerpark, der alle zusammenbringt

Und doch blickt Emilia nach vorne. Ihre nächste grosse Vision: ein Abenteuerpark im Oasis-Gelände – mit Hängebrücken und Pfaden mit taktilen Bodenbelägen, mit Rückzugsorten für Kinder mit Autismus oder Down-Syndrom, die sich manchmal einfach zurückziehen möchten.


Das Besondere an der Idee: Nichts davon soll ausschliesslich für Kinder mit Behinderungen gebaut sein. Alles soll universell nutzbar sein. Eine Nestschaukel, auf der zwei Kinder gemeinsam schaukeln können. Interaktive Tische mit verstellbarer Höhe, damit ein Kind im Rollstuhl genauso mitmachen kann wie ein kleineres oder grösseres Kind – Seite an Seite, ein Kind mit und eines ohne Behinderung.


Denn genau das ist Emilias Ziel: nicht nur die eigenen Nutzerinnen und Nutzer zu begleiten, sondern Kinder mit und ohne Behinderungen zusammenzubringen. Damit sie gemeinsam spielen, gemeinsam lernen – und die einen früh lernen, tolerant zu sein und keinen Unterschied zu machen.


Was sich die Kinder selbst wünschen

Neues lernen, neue Orte sehen, mehr Zeit mit Freunden verbringen, mehr draussen in der Natur sein: So beschreiben die Kinder und Jugendlichen selbst, was ihnen wichtig ist. Blumen, ein Garten, Rasen, Schaukeln, eine Rutschbahn – ganz normale Kinderwünsche. Und der Wunsch, sich nicht als "zweite Klasse" zu fühlen. "Wir sind nicht anders als die anderen", sagt einer von ihnen. "Wir sind einfach ein bisschen besonders."


Der Schluss dieser Geschichte liegt bei uns

Anders als in vielen Geschichten hängt das Ende hier nicht vom Zufall ab. Ob aus dem Traum vom Abenteuerpark Wirklichkeit wird, entscheidet sich daran, ob genug Menschen bereit sind, mitzuhelfen – mit einer Spende, mit Kontakten zu Handwerkern, oder ganz einfach, indem sie die Geschichte weitertragen.


 
 
 

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